Ein Gespräch, das genau so nie stattfand

am 07.09.2012 aus

Zurück vom Einkauf: Mittagessen.
"… Und wo habt ihr geparkt?"
"Am L.-Park da hinten."
"Da war noch was frei?"
"Ja, da war noch was frei, sogar ein Schattenplatz. Da konnten wir uns dann in ein schönes kühles Auto setzen als wir fertig waren."
Geschirrgeklapper.
"Und rat mal, wenn ich beim Einkaufen getroffen habe."
Es gibt Kartoffelgratin.
"…"
"Den Herrn K.."
"Ah."
Die Portionen werden verteilt.
"Mit seiner Tochter. Die hat ja jetzt auch wieder geheiratet."
"Wen hat die geheiratet?"
Maggi drauf.
"Hier, du weisst doch, den I. von da oben bei L.s."
"Na, da hat sie sich aber einen ausgesucht … wobei, 'ne Schönheit ist die ja selber auch nicht!"
"Ach, aber die hat was aus sich gemacht, abgenommen hat die ja auch."
"Ja?"
Sprudelflaschenzischen.
"Der Käse ist gut, ne?"
"Ja, der ist gut."
Messer schabt über Teller.
"Wo ist der denn her?"
"Der ist von B."
"Der letzte von B. war ja nicht so gut."
"Ja, der war nicht so gut. Die Verkäuferin wollte mir schweizer Käse geben, aber ich hab gesagt: Geben Sie mir den französischen. – Übrigens, die eine blonde Verkäuferin da im B., die immer so ernst guckt – die hübsche, große, die immer so ernst guckt, du weisst doch – die hat jetzt braune Haare."
"Die hatte schon immer braune Haare, die waren nur blondiert."
Mehr Maggi.
"Ja, genau, und jetzt blondiert sie sie nicht mehr, jetzt trägt sie sie braun. Sieht viel besser aus."
"Braun ist jetzt halt auch wieder in."
Übergang zum Salat – allen kulinarischen Konventionen zum Trotz der letzte Gang.
"Der Kopfsalat ist jetzt aber mal echt gut, ne?"
"Ja, der ist gut."
"Der ist jetzt vom H., obwohl der ja sonst nicht so gutes Gemüse hat."
"Ja, aber der ist jetzt echt ganz gut."
"Ja, und nur neunzehn Cent. – Da kann man echt nichts sagen, der ist genauso gut wie der vom B., und dazu noch billiger."

… Kennt ihr?

Kenne ich.

(1)

am 22.06.2012 aus

People really have to get over this whole body hair thing.

I don't shave my butt before first days anymore!

Especially me.

What about you?

Die Dinge lieben.

am 11.05.2012 aus

Wenn man vor der Wahl steht, ob man etwas wunderbar findet oder nicht, sollte man sich für Ersteres entscheiden.

Asseln, zum Beispiel.
In den ersten drei Jahren, in denen ich Tausendfüßer hielt, habe ich Asseln für einen mehr oder weniger erwünschten Nebeneffekt gehalten. Sie waren mir unheimlich, diese vierzehnbeinigen, grauen Tierchen mit den nervösen Fühlern, die sich im Waldlaub verbargen.
Zwei Jahre später, jetzt: Ich liebe Asseln. Ich liebe die
schwarz-weiss gestreiften Zebrarollasseln. Ich liebe die ganz gewöhnlichen Kellerasseln. (Die größte nenne ich liebevoll "Big Mama".) Ich liebe die gefleckten Mauerasseln. – Mittlerweile liebe ich Asseln. Und ich bin froh, sie so liebgewonnen zu haben. Hätte ich es nicht, würde mir eine Menge Freude entgehen.

Oder Zugfahren, zum Beispiel.
Ich fahre häufig mit dem Zug. Gezwungenermaßen. Essen – Dortmund – Bochum – Duisburg. Manchmal auch Köln. Ich habe angefangen Züge zu lieben. Die Blitze an den kalten Oberleitungen. Die Wärme und Geborgenheit eines Zugs, der einem da hin bringt, wo man hin möchte. Nach Hause, vielleicht. Die Menschen, an deren Leben man teilhaben kann, für einen kleinen Augenblick. Ich habe begonnen, Zugfahren zu lieben.

Wenn man vor der Wahl steht, ob man etwas wunderbar findet oder nicht, sollte man sich für Ersteres entscheiden. Es macht das Leben besser.

Und vielleicht ist es das, worum es für mich geht: Wunderbare Dinge sammeln. Von A wie Asseln bis Z wie Zügen.

Mitreden.

Superheld

am 15.02.2012 aus

Ich bin ein Superheld,
weil ich jeden Morgen aufstehe
und jeden Abend schlafen gehe.

Weil ich zwei Mal am Tag die Zähne putze,
und manchmal sogar öfter.

Weil ich einkaufen gehe,
wenn nichts mehr zu essen da ist,
und Wäsche mache,
wenn nichts mehr zum Anziehen da ist.

Ich bin ein Superheld,
denn
nichts davon ist selbstverständlich.

Mitreden.

How To Do It Right

am 09.06.2011 aus

Liebes Zebramädchen,
jahrelang hast Du diese Anleitung gesucht, man happiness, wie man glücklich wird.
Ich kann sie Dir nicht in die Vergangenheit schicken, aber hier ist sie:


  1. Vermeide nicht. Keine Ausreden.

  2. Übernimm die Verantwortung für Deine Gefühle und Deine Gedanken.*

  3. Akzeptiere, dass Du nicht immer glücklich sein wirst.

  4. Wenn es Dir mal nicht gut geht: Halte es einfach aus.

  5. Suche nicht nach Bestätigung.

  6. Was die anderen denken ist Fickscheisse.

  7. Starre Selbstbilder sind Fickscheisse.

  8. Fürchte Dich nicht davor zu versagen.

  9. Übernimm Verantwortung für Dich, für Deine Gesundheit und Dein Wohlergehen.

  10. Mach Dir keine Sorgen.

  11. Sei mutig.

  12. Jammere nicht.**

  13. Schiebe nichts auf.

  14. Enthalte Dir nichts vor.

  15. Lass Vergangenes auf sich beruhen.

  16. Akzeptiere Deinen Körper.

  17. Ärgere Dich nicht.


Und dann wären da noch Achtsamkeitsmeditation, Sport und guter Sex. Unter all dem anderen, das den Rahmen dieses Texts sprengen würde.

* (Du kontrollierst Deine Gefühle und Gedanken. Niemand anders ist verantwortlich dafür.)

** (Was ich dann in Zukunft in diesem Blog tun werde? Ich habe nicht die geringste Ahnung.)

Mitreden.

Vielleicht

am 19.02.2011 aus hören Videospiele. trinken Cabernet Sauvignon. wetter Ziemlich Nacht.

Notizen zu Zukunftsträumen, die mich daran erinnern, wie viel Wunderbares in dieser Welt steckt, ungenutzt, noch.

vielleicht mit 28,
ich beende mein Studium
und mache Urlaub in Californien.
Highways und Sonne und perverses Essen.
vielleicht sogar Surfen
oder einfach nur den Wellen zusehen,
barfuß durch den Sand gehen,
und einatmen, ausatmen.

vielleicht mit 30,
ich fange endlich mit Yoga an.
und vielleicht mit Wandern,
und mit anderen Sachen höre ich auf, vielleicht.

vielleicht mit 31,
ein Urlaub in Japan. wir füttern Rehe in Nara
und machen ein Blog nur über Daifuku und grünen Tee.

vielleicht dann, 33,
mein Mops heißt "Stallman".
er lernt Knöpfe drücken,
und ich lerne für ihn sorgen.
wir fahren zusammen Bahn,
schwarze Mamba, MacBook und eine Thermoskanne Tee.

und 37:
ich lerne ein Instrument.
Akkordeon, vielleicht,
und pflanze einen Kastanienbaum.
es wird Zeit ein Buch zu veröffentlichen, endlich,
oder es einfach sein zu lassen.

41, vielleicht,
ich rasiere mir den Kopf
und mache eine Hippie-Gartenparty
mit bunten Lampions und Feuerjonglage,
in dieser Haus-WG, vielleicht, die ich gefunden habe.
wir könnten Hühner haben, im Garten.

hoffentlich 46,
ich packe Koffer und Lieblingsmenschen.
wir gehen vier Monate nach Thailand.
vielleicht lerne ich dort Klettern.
wir essen eine Menge Mais-Kokospudding.

Mitreden.

Habt es gut

am 24.12.2010 aus trinken Grüner Tee. wetter Alles Weiß!

Happy Feiertage

Die hier hab' ich mal gekauft, weil ich fand sie sähe mir etwas ähnlich. Ich glaube, ich bin die einzige, die das sieht.

Mitreden.

Wahrmacht

am 16.12.2010 aus hören Tristan Allen. trinken Moskovskaya. wetter Es liegt Schnee.

Und jetzt ich hier, in einem Zimmer mit Dielenboden.

Die verrückte Idee, die ich dann ganz unverrückt wahr gemacht habe. (Ich hab was geändert! Ich bin umgezogen! Ziemlich spontan und ziemlich unsicher. Und trotzdem irgendwie einfach so.) Lässt mich schmunzeln, beim Gedanken an meine anderen verrückten Ideen. Ob ich die auch wahr mache? Ich hab viele.

Aber keine Angst. Es ist alles beim Alten. Ich kann immer noch gut still halten, zu lange. Die Decke über'n Kopf ziehen, mich schlafend stellen. Mich unsichtbar machen, Ausreden finden, vermeiden. Die Tür geschlossen halten und so tun als sei ich nicht da.

Ich tu's auch jetzt wieder, in meinem Zimmer mit Dielenboden.*

Aber immer mal wieder setze ich mich hier hin, und denke: "Sieh Dir das mal an, Zebra! Zimmer mit Dielenboden. Wie Du's Dir gewünscht hast. Gewünscht, und dann wahr gemacht. Weisst Du noch?" - Und dann nehme ich mir fest vor, nie zu vergessen, dass das geht. Wahr machen. Die Realität am haarigen Schopf packen und auch nicht loslassen, wenn's wehtut.

Auch mal eine Idee wahr gemacht?
Erzählt.



*(Der übrigens verrät, dass ich doch da bin.)

P.S.: Im Titel ist ein Wortspiel. Komme ich jetzt in die Hölle?

Mitreden.

Kommt rein. Es ist offen.

am 14.07.2010 aus hören Flugzeug. trinken H20. wetter Warm.

Vor sechs Jahren entdeckte ich meine Zuneigung zu Tausendfüßern. Wenn ich sie beobachtete, machte mich das glücklich. Kitschiger veranlagte Schreiber würden an dieser Stelle von "einer tiefen Liebe" zu den Tieren sprechen, aber das ist mir zu Rosa-Regenbogen-Einhorn. Jedenfalls, ich hatte die Viecher ziemlich gern. Spätestens seit meiner Pubertät spielte auch Musik eine große Rolle in meinem Leben. Und, natürlich, mehr als Tiere und Töne, das Schreiben. Kurz gesagt, ich war jung, begeisterungsfähig und es gab Dinge, an denen ich hing.

Aber dann, irgendwie, nahmen diese Dinge allmählich an Bedeutung ab. Bis sie mir nichts mehr bedeuteten. Und das große, haarige Scheissegal machte es sich in der entstandenen Lücke bequem und zündete sich 'ne Kippe an.

Wenn ich die Tausendfüßer beobachtete, erinnerte ich mich, wie viel Freude mir das mal bereitete, und es tat mir ein wenig leid. Ich hab sie behalten, und gewartet, dass das Gefühl wiederkommt.

Musik bedeutet mir wenig. Ausser an etwa einem Abend alle paar Wochen, wenn sie plötzlich und unerklärlicherweise wieder zu mir durchdringt, als wäre ich 15. Dann klicke ich bei last.fm so oft auf "Skip" bis die richtig guten Tracks kommen. Alles was schlechter als richtig gut ist, wäre Verschwendung, an so einem Abend.

Erst vor ein paar Monaten jedenfalls, wurde mir die Lücke (und die stinkenden Zigarettenstummel des Scheissegals) bewusst. Mir fiel auf, dass ich zwar über eine unerschöpfliche Dose "Kindliche Instant-Begeisterung" für so ungefähr alles verfügte ("Lampions! Boah, wie toll, Lampions!"), aber die hielt durchschnittlich eine Stunde.
Und das war einfach nicht der richtig gute Stoff, sagte ich mir.

Ich jammerte ein wenig vor mich hin, dass mir kaum noch etwas was bedeutete (ausser Essen, natürlich), und wie wenig ich mich langfristig für irgendetwas begeistern konnte, und mümümümümü und überhaupt, wer hatte das Scheissegal zu mir eingeladen und warum war es zu blöd einen Aschenbecher zu benutzen.

Und dann kam ich der Sache langsam auf die Spur. Langsam, denn ich bin manchmal echt schwer von Begriff.

Zum Beispiel: Wie mich das nervt, wenn Menschen etwas ungeheuer wichtig nehmen. Viel zu wichtig. Weil es ihnen ja sooooo ungeheuer viel bedeutet. Wenn diese Bedeutung Ausrede ist, um großes Trarara, unsinnige Anstrengungen, lautes Wehklagen zu rechtfertigen. Oder zum Beispiel: Wie mich das nervt, nie etwas hinzubekommen, fertigzubekommen, richtig zu machen, was mir wichtig ist. Und wie viel einfacher es dann doch ist, mit einem Schulterzucken die "Bedeutet-mir-nix"-Decke drüberzuwerfen, über den unfertigen Haufen und den Gestank der Enttäuschung. War ja nicht so wichtig.

Um die Scrollleiste dieses Textfelds nicht übermäßig zu beanspruchen: Ich war nicht mehr offen. Ich hatte keinen Bock mehr auf Dinge, die mir was bedeuteten. Das Scheissegal war cool, und ich will auch cool sein, und mit den Schultern zucken. Weil das ja alles nicht so verdammt wichtig ist, ne. Wat soll's.

Gewappnet mit dieser Erkenntnis fasste ich die kleine Handvoll Mut die in einem Zebra vorhanden ist und beschloss, ein klein wenig offener zu sein. Nur ein bißchen! Und es klappte. Ich fand einen Song, den ich mochte und der an den meisten Wochentagen bei mir ankam. Nur ein Song, aber hey. (Musik ist überbewertet.) Ich entdeckte meine blödsinnige Liebe zu Zügen. Und die Tausendfüßer machen mich wieder ziemlich glücklich.

Schulterzucken und Loslassen geht übrigens trotzdem. Es tut vielleicht ein bißchen weh, aber mein Gott, Zebra, stell Dich nicht so an.

Mitreden.

mehr als Vollpension

am 21.04.2010 aus hören DRS Drüüh. trinken Pu-Erh. wetter Sonne geht unter.

Sie leiert aus, so eine Leier. Aber falls jemand das Lied noch nicht kennt, spiele ich es noch mal; es klingt auch auf verstimmten Saiten: Kein Bock. Alles anstrengend. Ständiges sich aufraffen. Zu Allem. Man rafft sich so herum. Dadumbadadum. Jammern macht auch keinen Spaß. Ein Glück: Atmen geht automatisch. Aufstehen leider nicht. Dadumbadadum. Kein Bock!

So müde und energielos. Kinners, und das in meinem Alter. Vermutlich könnte ich Energie aufbringen. Aber mir fällt nicht ein, wofür. Die Welt stellt nicht genug Belohnungshäppchen bereit, denke ich. Nichts lohnt. Dadumbadadum.

Immerhin: Es gibt gutes Essen. Das entschädigt für Einiges. Wie bei Parties, auf die man nicht gegangen wäre, wäre einem eine Ausrede eingefallen: "Immerhin, Buffet! Mit Oliven!" Dann versucht man, sich mit einer riesigen Portion Nudelsalat zu entschädigen. Die ist aber dann doch nie groß genug. Man hat einen vollen Bauch, aber man ist immer noch auf der falschen Party.

In meinem Kopf hatte ich schon einen Beschwerdebrief ans Universum fertig.
Aber dann wurde mir klar: Ich Trottel hab' zwar Vollpension gebucht, aber nicht das Animationsprogramm. Böse Briefe an den Reiseveranstalter bringen gar nichts. Die können nichts dafür, dass ich nur im Apartment auf meinem Arsch sitze und abends Touristen beim Fettpölsterchenwackeln zu den heissesten Hits der Neunziger zugucke.

Ich warte auf zwei Zivis mit kostenlosem Lächeln, die mich raustragen. Dahin, wo der Spaß ist. Damit ich dann nur noch Spaß haben muss. Spaß haben ist schließlich anstrengend genug.

Aber die verdammten Zivis kommen nicht. Eine Zeit lang war ich enttäuscht und auch ein wenig verärgert, weil die unten an der Bar sitzen, oder vielleicht sogar am Strand. Und Spaß haben, die Schweine. Und ich nur hier, oder sonst irgendwo vor einem Rechner.

Jetzt bin ich enttäuscht und auch ein wenig verärgert, weil ich selbst den Arsch nicht hochkriege. Als wäre mir eben erst aufgefallen, dass ich mir den Betthupferl selbst auf den Nachtisch legen, das Da-warst-Du-aber-tapfer-Bonbon selbst kaufen und die goldenen Fleiss-Sternchen selbst einkleben muss. Frollein Zebra schuldet mir so einige Tapferkeits-Bonbons, Fleiss-Sternchen und Betthupferl. Und nebenbei auch noch eine Menge awesome things. Mehr awesome things als man je Nudelsalat auf der schlechtesten Party essen kann.



Meine Hausaufgabe: Diese Dinge finden und in einen Beutel packen. Zettel dran: "Warum es sich lohnt".



P.S.: Lasst mich durch. Ich hab' einen Metaphern-Führerschein!
P.P.S.: Was ist in eurem Beutel?

Mitreden.

Oh hai, Frühling.

am 08.04.2010 aus hören Thai Chef Curry Huhn Geschlürfe. trinken Rotwein, 2005. wetter Frühling!

Es ist Frühling. Ich möchte schlafen. Und wenn ich nicht schlafe, möchte ich essen. Und wenn ich nicht esse, möchte ich weinen. Das ist Frühling, und Frühling ist so. Für die Bäume wahrscheinlich so ähnlich. Ich stelle mir diese Sprießerei schmerzhaft vor.

Ich bin kein Baum. Ich bin sechsundzwanzig. Ich kann nicht pfeifen. Und ich habe das Gefühl, ich hätte noch nie so lange an einer Nudelsuppe gegessen wie zu diesem Blog-Eintrag. Und die Flasche Wein hat sich viel zu schnell geleert. Ohne Buchstaben im Textfeld zu generieren.

Ich gehe zum Fenster um den Frühling zu erschnuppern. Ich kann den RWE-Turm leuchten sehen. Viel zu selten nur kommt ein Güterzug vorbei. Heute Nacht kein einziger, und niemand in meinem Bett.

Oh hai, Frühling. Du wirst vermutlich nicht mein letzter sein.

Mitreden.

Bis es stinkt

am 07.03.2010 aus hören Mitreisende. wetter Schnee.

Ich hab' nicht aufgepasst, mich nicht genug gekümmert. Ein imaginärer Wäschekorb voll zerknüllter Angelegenheiten. Manche stinken. 

Alles könnte besser sein. Na klar. Potential ist da. Selbst die Lösungen. Ich habe gelernt, welche Handlungen volle Wäschekörbe erfordern. Ich könnte ein Handbuch mit Schritt-für-Schritt-Anleitungen erstellen. man zebralebensverbesserung.  

Leider hätten all seine ersten Schritte unerfüllte Voraussetzungen. Kleinigkeiten wie Geld und Zeit, aber viel schlimmer: Die großen  Zebraglückverhinderer (ZGV). (Hallo, Freunde!)

Mir fehlt die Entschlossenheit etwas zu verbessern. Mir fehlt jede Art von Energie - fürs Tippen und Klicken, natürlich, reicht's. Und mir fehlt Mut, natürlich. Es ist mir alles zu anstrengend und kompliziert. Ich möchte mich nicht mit Menschen auseinandersetzen. Ich habe keine Lust, etwas zu ändern.

Ein wenig werde ich noch so ausharren, sechs bis elf Wochen, schätze ich, und unglücklich sein. Dann wird es Frühling, ich werde einen sonnigen Blogbeitrag verfassen und den Arsch hochkriegen. 

Bis dahin nehme ich mir die Freiheit alles weiterhin liegenzulassen. Bis es stinkt. 

Mitreden.

Stage finished

am 08.01.2010 aus hören Radio Ghoul School. trinken Grün. wetter Schnee, Schnee, Schnee!

You are victorious!
You finished stage 2009.
Time played: 9404 days.

Results:
Achievements gained (7/10):
- been to the gym 22 times (+2 attractiveness, +1 strength).
- learnt regular expressions (+4 pretend to be cool).
- landed 172 aircrafts on the carrier in Flight Control (probability that I waste my time +10).
- had 1 postcard published on post secret (anonymous fame +1).
- posted 5 582 tweets.
- found 11 reasons why Java sucks and 39 reasons why ruby rocks (sanity +10).
- supported 13 loans at kiva.org. (karma +1)

Special Items found (6/12):
- Awesomosaurus (+8 resistance against dark magic, +4 white magic, +10 fridge inventory).
- Bettmuschel (+8 warmth at night, +4 health).
- magic hair of green (+4 mana points).
- kiss from a tulip girl (+4 white magic).
- rotelinie mana dots (+2 mana points).
- iPhone companion cube (+8 orientation, +2 resistance against boredom and loneliness).

You are a level 25 zebroid.

Mitreden.

Türrahmen

am 04.01.2010 aus trinken Yogi Tee. wetter Dachfenster zugeschneit.

poetin hat mich auf diese zwölf Fragen gestoßen.

# Auf welche Art wirst du am liebsten verletzt?
Körperlich.
Und sonst: Durch die gewaltsame, ungewollte Trennung von etwas, von dem man sich nicht lösen wollte, das aber nicht (mehr) gut für einen war. Befreiende Verletzungen.

# Und auf welche am leichtesten?
Kritik, vermutlich. Aber wahrscheinlich laufe ich häufiger gegen Dinge, die mir nicht ausweichen, als dass ich so verletzt werde. Vielleicht ist die zutreffende Antwort also: Türrahmen.

# Was wirfst du deinen Eltern bis heute vor?
Dass sie mich zu wenig ermutigt haben.
Ey, ihr habt mich zu wenig ermutigt!

# Was ist der größte Irrtum anderer über dich?
Dass ich "nett" bin, wahrscheinlich, oder besonders reflektiert oder sowas.
Aber ehrlich gesagt weiß ich zu wenig darüber, was andere über mich denken.

# Was tust du, damit er bestehen bleibt?
Mich "nett" verhalten.
Blog-Einträge schreiben, dank derer ich besonders reflektiert wirke. ;-P

# Was braucht es zum Unglücklichsein?
Angst vor Veränderung. Überhaupt: Angst.
Eigentlich kann man Unglück aus fast allen Zutaten machen, es ist das universelle Gericht.

# Wann nimmst du dich ernst?
Wenn mir etwas wehtut.
Aber erst, wenn es schon länger wehtut und genug.

# Und wann die anderen?
Wenn sie mehr rational als emotional sind.

# Was hältst du für die beste Art zu leben?
Gut sein.

# Und was für die schönste?
Egoistisch sein und rücksichtslos genug.

# Wer willst du sein?
So ich wie möglich. Jemand den ich mag.
(Und ich hoffe, das schließt sich nicht aus.)

# Warum bist du es nicht?
Wer sagt das? … Na gut.
Weiß ich auch nicht. Aber schalten Sie auch nächste Woche wieder ein, vielleicht finde ich es bald heraus.

Mitreden.

Dings.

am 19.12.2009 aus hören Death Rock, Baby. trinken Astra, Wein is' leer. wetter Bitterkalt isses.

Willkommen zu einem Blog-Artikel, den ich einige Monate aufgeschoben habe. Irgendwie schien mir das Thema doch zu groß und ernsthaft für das kleine Blog eines gewöhnlichen Zebras. Aber es hat mich weiterbeschäftigt, und wie's aussieht wird's nicht aufhören. Es hilft also alles nix. Deswegen ist jetzt doch gebloggt: Bitteschön.

Wie fing es eigentlich an?
Lässt sich schwer eingrenzen, es sammelte sich so in mir an: Geschichten übers Jung-Gewesensein, Erzählungen vom Älterwerden, Begegnungen, Gedanken, Visionen (ja, ich weiß, zum Arzt). Vielleicht auch Aufhören-zu-ignorieren-was-wehtut. Vielleicht auch Anfangen-zu-realisieren-warum-es-wehtut.

Neulich, zum Beispiel: Nacht, kurz vor Elf, alles still und Schnee fiel. Es war nur Schnee, aber irgendwie war es, tja, magisch. Und in Gedanken entfuhr es mir: "Ach, wie geil, dass ich das noch erleben darf!" Und dann auch gleich: "Hömma, warum denkst Du das denn jetzt?" - Warum glaube ich, dass ich sterben werde?

Die Tatsache, dass ich sterben werde, und dass die Anzahl der Tage bis zu diesem Zeitpunkt begrenzt ist, begleitet mich. Seit ein paar Monaten, ziemlich lange schon.

Und dann, ein anderes Neulich, noch ein Beispiel: Nacht, vermutlich nach Elf, draussen Sturm, ich im Bett mit zwei Lieblingsmenschen. Gedankliches Bild: Eine dunkle Felsenküste, Sturm, meine Lieblingsmenschen. Und: Die Gewissheit, dass ich eines Tages sterbe, und dass ich entscheide, und ganz bewusst entscheiden sollte, mit wem ich meine Tage verbringe. Jeden Tag. Die Anzahl der Tage ist begrenzt. Man gibt einen Tag nicht einfach weg. Nicht, weil man sich verpflichtet fühlt, oder nett sein möchte, oder irgend so eine Scheiße. (Denkt da mal drüber nach.) (Nett sein kann man immer noch, sollte man zufällig unsterblich wiedergeboren werden.)

Seltsamerweise muntert mich der Gedanke hauptsächlich auf. Wenn er da ist, so wirklich präsent, so richtig "Du wirst sterben" - dann ist es meistens in den guten Momenten. Oder vielmehr: Es macht die Momente gut. Es macht diese Momente ganz "Hier und Jetzt". Es sagt mir: "Wow, ma' ehrlich, ist es nicht un-glaub-lich, dass Du jetzt hier bist? Ist das nicht geil?"

Na gut, ein klein wenig Panik ist auch da, ein klein wenig von dieser Nervosität die nach Midlife-Crisis riecht. In meiner inneren Schreibtischschublade krame ich hektisch nach den Listen ("5 Drogen, die Du probiert haben solltest bevor Du stirbst", "9 Menschen, die Du schon länger ficken wolltest", "6 Träume, die Du als Kind hattest").

Aber vor allem sagt es mir: Das Leben, diese Welt, ist ein riesiges Modell, das Dir ermöglicht, Erfahrungen zu machen. Wertungsfrei: Erfahrungen. Und tot sein bedeutet, diese Möglichkeit nicht mehr zu haben.

Mein Leben fächert sich vor mir auf, ein Flußdiagramm. Die Möglichkeiten sind klar. Manches steht bereits fest. Die Vorstellung 45 zu sein, 60 zu sein - ist irgendwie nicht mehr fremd, irgendwie nicht mehr fern. Das ist eine neue Perspektive, faszinierend, klar. Und: Das macht Angst. Wie ein Sonntag Abend mit viel Spaß, der zu Ende geht; wie wenn man langsam wieder nüchtern wird auf einer Party von der man gehofft hat, sie würde nie enden.

Dieser Moment, in dem man realisiert, dass man nicht mehr das Kind ist, das alles werden kann. - Erinnert ihr euch noch, wann der eintrat? Zum Beispiel: Offenbar bin ich eine Frau und vermutlich werde ich es bleiben. Mit Bedauern stelle ich fest, dass ich wohl keine Musikerin werden werde (weil ich mir übrigens, trotz gelegentlichen Enthusiasmus' nach Drogenkonsum, aus Musik nicht viel mache). Ich werde auch keine Striptease-Tänzerin mehr. Und, na so was, ich bin doch nicht lesbisch. Meine Jugend steht fest: Ich war nie ein Hippie, höchstens im Herzen. Das alles tut ein wenig weh, zugegeben.

Das Seltsame ist, ich habe so lange nach den Geheimnissen gesucht, von denen ich glaubte, dass die Anderen sie vor mir verstecken. Gut, eines habe ich gefunden, es hat tatsächlich Einiges erklärt. Aber das zweite, das hier, die Tatsache, dass wir alle sterben, das erklärt nichts. Nichts. - Na gut, es erklärt ein klein wenig, warum Menschen kleine, garstige Monster in die Welt setzen, ja, selbst ich habe das mittlerweile verstanden. Aber warum lassen all diese Menschen ihre Angst und ihr Sicherheitsbedürfnis gewinnen, haben die meiste Zeit ihres Lebens Sex mit dem gleichen Menschen, versuchen krampfhaft vergangene Dinge festzuhalten anstatt neue zu probieren, zu denen sie nur eine begrenzte Anzahl Tage haben? Unerklärlicher denn je.

Denn ich, ich möchte seitdem alle drei Wochen das tun, was ich tun möchte, bevor ich sterbe. Denn "bevor ich sterbe", das ist genau jetzt, und nur jetzt ist garantiert.
Warum ihr alle noch hier sitzt, warum ihr nicht euer Konto überzieht um auf Fuerteventura surfen zu gehen, und warum ich das nicht tue - Scheiße, das ist mir ehrlich gesagt vollkommen unbegreiflich. Ist es nur weil es Konvention ist, dass wir so tun, als würden wir ewig leben? Ist sie doch, oder?

Wie ist das so, wenn man älter wird? Hattet ihr auch solche Gedanken mit fünfundzwanzig?
Sterben ist ja Tabu-Thema. - Erzählt doch mal, ich will das Krachen hören wenn es bricht, wie so 'ne Hanuta-Waffel.

Mitreden.

Kommunikation

am 28.11.2009 aus hören Manson. trinken Bier. wetter Bleibt draussen.

"Sansvig Verde."
"... Was?"
"Wir stellen uns keinen Wecker, oder? ... Warum lachst Du jetzt so?"
"Das was Du zuerst gesagt hast, klang viel schöner und bedeutender. - 'Sansvig verde.'"
"Das habe ich nicht gesagt."
"Aber ich hab's doch deutlich gehört."

Mitreden.

Zebraherz

am 20.11.2009 aus hören Frank the Baptist. trinken Astra. wetter #000.

Ich mag keine Herz-Metaphern. Aber ich würge jetzt trotzdem mal eine hoch.

Mein Herz soll kein Glassarg sein, in den man den einen auserwählten Menschen reinpackt, am Besten mit ordentlich flüssigem Stickstoff und 'nem fetten Vorhängeschloss. Mindestens. - Man weiss ja nie!

Mein Herz soll ein Wohnzimmer sein. Mit einem großen Sofa (Cord, dunkelgrün), einer Bar, und einem Teller Keksen. Wen ich einlade, der ist willkommen.
Theoretisch zumindest ist eine Menge Platz. Und von der Praxis wollen wir uns nicht den Tag verderben lassen. Setzt euch! Seid Gäste statt Gefangene, lasst mich auch Gast sein.
Ich hab' hier diesen Teller Kekse, den ich allein nicht essen kann, und die Kekse, die ich nicht esse, tun mir kaum weh.

Übrigens, wenn ihr euch das nächste Mal in der Bahn über eure Beziehungsprobleme austauscht, und ihr diesen Ausdruck auf meinem Gesicht seht, dann ratet was ich denke: "Ach ja, ich weiss schon: Glassarg, Stickstoff, Vorhängeschloss."
Ich bin weder schlauer noch erfahrener als ihr. Vielleicht ist mein Ansatz besser für mich. Vielleicht aber nicht einmal das.

P.S.: Man weiss nie. Es hilft nicht.
P.P.S.: Wenn es funktionieren würde, ich würde es auch tun, Glassarg, Stickstoff und Vorhängeschloss ordern.

Mitreden.

Elternhaus

am 10.10.2009 aus hören Waschmaschine. trinken Wasser. wetter Es herbstelt.

Komm rein, komm rein.
Wir haben Wahrheit.
Du brauchst nicht mal zu fragen.
Egal zu was, passt überall zu. Ordentlich dick drauf.
Meinungen, ach, ist doch nichts Rechtes.
Wahrheit ist allemal besser. Und macht besser, wirst sehen.
Nimm noch, es ist genug da.
Junge, damit aus Dir was wird!

P.S.: Solche Eltern sind keine gültige Ausrede, keine eigene Meinung zu haben, übrigens. Ich mein' ja nur.

Mitreden.

Stadt

am 29.08.2009 aus hören Rauschen. trinken Jasmintee. wetter Sonne!

Eine Stadt voller Menschen. Freiluft. Sonnenbrillen, lackierte Zehennägel, T-Shirts selten unbedruckt. Musik im Park. Doppeldeckerbusse! Vierundzwanzig Stunden Falafel. Spreeufersonne.
Die Stadt sagt, es ist okay. Sogar die Socken in den Sandalen der Touristen failure is okay. Und alle sind schon da.

Vieles ist mehr so, wie es sein sollte, ein bißchen. Und bei vielem hat man das Gefühl, es könnte noch so werden. (Und wenn ich sage "wie es sein sollte", meine ich "wie ich es gerne hätte".) Warum gerade hier oder warum nur hier weiß ich nicht. Vielleicht eine Anomalie im Raum-Zeit-Gefüge, die Möglichkeiten hier möglicher erscheinen lässt als anderswo. Wahrscheinlicher aber ist, dass es in meinem und eurem Kopf ist. Wie eigentlich alles zu und über Berlin, das dort nicht aus Stein und Beton steht. Die Idee und die Geschichte und das Gefühl, dass es dort besser wäre, irgendwie. Irgendwie, vor allem.

Berlin an sich, nämlich, ist nur eine große Stadt.

Tourist* der man ist, vergleicht man. Und wenn man fertig ist mit vergleichen, sucht man Gründe, nicht herzuziehen (oder, was zum Zeitpunkt wo ich das schreibe richtiger wäre: hinzuziehen), findet einige wenige. Muss dann zugeben, dass es nicht die guten Gründe sind und seufzt.

Wartet noch ein wenig auf mich.

Disclaimer: Nicht repräsentative Eindrücke eines Zebras, welches zum zweiten Mal in seinem Leben Berlin besucht hat. Es ist jung, leicht zu beeindrucken, auf dem Land aufgewachsen und nicht besonders weit gereist.

P.S.: Untypischerweise noch einen Link, nämlich mspro über Berlin und das Glück.

*("Tourist" ist vielleicht nicht ganz richtig. "Pilgerer", eher.)

Mitreden.

Und dann die Schnürsenkel

am 14.07.2009 aus hören Tatort trinken Roter Wein wetter Abendsonne

Alles begann mit meiner Fahrt in einem Regional-Express und einem im Grunde recht sympathischen Schaffner.

Ich bin nicht sicher, welche Probleme ein Mensch hat, wenn er die Tatsache, dass ein anderer Mensch Schnürsenkel in zwei verschiedenen Farben trägt, als derart bemerkenswert empfindet, dass er seine süffisante Verwunderung (etwa "Das kannst du doch unmöglich mit Absicht tragen und Ernst meinen, junges Fräulein.") laut äussern muss.

Dass es mein Problem ist, dass ich mir darüber Gedanken mache und nicht umhin komme mich hier darüber auszulassen, weiß ich hingegen wohl. (Ich bin Bloggerin. Ich serviere den Menschen im Internet meine erbrochenen Gedanken als Frühstück. - Aber hey, noch haben sie keine Störung erfunden, in deren ICD-10-Definition "bloggen" vorkommt.)(Sollte das noch geschehen hoffe ich zumindest, dass der zugehörige Wikipedia-Eintrag einen Link auf mein Blog beinhalten wird.)

Ich hätte gerne ein Wort für diese Menschen, die jede Abweichung die sie an anderen entdecken, bezeichnen müssen um sich ihrer eigenen (manchmal traurigen) Angepasstheit zu versichern. Auch für die, die mich schon zur Seite genommen haben, um mir zu erklären, dass sie auch einmal jung waren, ihrem Haupthaar lustige Farben verpasst haben und glaubten sie würden nie so werden wie sie heute sind. Die mir dann versichern, dass es nichts Schlechtes sei. ("Surly Adopter", vielleicht.)

What the fuck is wrong with you people?

Nein, natürlich ist es nichts Schlechtes. Warum glaubt ihr, dass die Art wie ich mich kleide ein Statement sei oder pubertäre Rebellion - oder irgend etwas, das über den Ausdruck meines persönlichen Geschmacks hinausgeht? Und warum glaubt ihr, dass dieses "Statement" beinhalte, dass ich euren "Style" und/oder den "Mainstream" beschissen oder spießig fände?

Leute, Mainstream ist okay. Ihr seid okay. Seid versichert, Emiliana Torrini und der neue 3suisses-Katalog sind wunderbar.

Wenn sich ganz gewöhnliche, sympathische, angepasste Menschen mir gegenüber anfangen zu rechtfertigen (genau so, übrigens, wie es einige Fleischesser gerne gegenüber Vegetariern tun, in einem Tonfall, der verrät, dass sie selbst glauben im Unrecht zu sein und auf Verständnis und Absolution hoffen), macht mich das nachdenklich.

Ich bin euch nicht böse, wenn euer Style zufällig dem Mainstream entspricht. Und noch viel weniger, wenn ihr zu faul oder ängstlich seid, etwas anderes zu tragen, als das, was alle tragen. Im Gegenteil, Faulheit, Angst und Gleichgültigkeit verstehe ich so gut, dass ich Consultant dafür werden würde, wenn mich jemand dafür bezahlte. Ihr seid nicht weniger aussergewöhnlich und ich mag euch nicht weniger, nur weil ihr eure Kleidung bei S. Oliver oder H&M kauft und das Radio anmacht, wenn ihr nach Hause kommt.

Aber (oh ja, ich weiß diese Bitte ist vollkommen unmöglich zu erfüllen, denn das Erkennen von Regelmäßigkeit und Abweichung ist natürlich, nützlich, unmöglich zu verbieten) hört verdammt nochmal damit auf, auf meine "Andersartigkeit" hinzuweisen als hätte ich einen Pickel im Gesicht. Ich bin, wie ihr. Nur so ein Zweibeiner, der glücklich werden möchte.

P.S.: Ja, ich weiß. Ich komme nach Berlin. Dahin, wo alles besser sein soll. Bald.



P.S.S.: Ein nachträglicher Disclaimer ist eventuell angebracht. Ich kleide mich mittlerweile derart gewöhnlich, dass mich mein früheres Ich dafür beschimpfen würde. Und manchmal tut es das. Mir gelingt es nicht mehr, den Mut und die Nerven aufzubringen die nötig wären um mich in meiner gegenwärtigen Umgebung und Verfassung so zu kleiden wie ich möchte. Ich beneide jeden, der es tut und häufiger als ich hier zugben möchte ertappe ich mich bei dem, was ich anderen hier vorwerfe. Es tut mir leid.

Mitreden.

Hallo Kohlenstoffwelt

am 10.07.2009 aus hören Sex Gang Children trinken Creme Oolong wetter Caps Lock

Hallo Kohlenstoffwelt. - Da bin ich wieder. Habe mich vollständig in die Realität zurück hineingeblinzelt. Brauche nur noch diesen speziellen Besen, der Traumverwirrungsstaub im Kopf beseitigt.

Das Zweitschönste am luziden Träumen, übrigens, ist schon während des Traums darüber nachdenken zu können. Auch wenn das fürchterlich verkopft klingt.

Während des Traums denke ich auf andere Art und Weise über ihn nach als später, nach dem Aufwachen (vereinfacht, verkürzt, ein bißchen leichter, mehr so schwebend). Manchmal hat es eine gewisse Komik: "Boah, ich weiss, I-d-e-e! Ich könnte mit dem Handy Fotos machen! - … Oh, Mooooment, das habe ich zwanzig Jahre lang probiert und es hat nie funktioniert. - Aber vielleicht könnte es dieses eine Mal …? Nein, ich glaube nicht. Naja - dann eben nicht." - mein Gedankengang während ich ins riesige, polstersesselbestückte Wohnzimmer einer Villa guckte. (Trivia: Ich hatte sowohl mein Sony Ericsson K800i als auch mein iPhone dabei. Aber selbst im Traum ist die Kamera des erstgenannten noch drei Mal besser als die des iPhone.)

Ins Bestaunen einer organischen, fast fließenden Struktur aus Holz vertieft, dachte ich mir, ich sollte (unbedingt) etwas tun um diesen (verdammten, wunderschönen) Ideen in der Kohlenstoffwelt ein Zuhause zu geben. Außerhalb meines Kopfes. In der Welt, die ich mit anderen Menschen teile.

Ach, aber wie? Ich dachte an Lewis Carrol, Salvador Dali, MYST, Kinderbücher und Videospiele. Und dann hörte ich auf darüber nachzudenken und ging weiter. Gedanke: Fade-out.

Mein Hund (alt und treu). Joana, in ihrer gepunkteten Bluse. Ich war dankbar, dass sie da waren. Ich dachte: Es ist schön hier nach Hause zu kommen, willkommen geheissen zu werden. Diese Charaktere sind wunderbar; ich habe sie gern. Sie sind ich. Über diesen Umweg kann ich mich selbst auch wunderbar finden und mögen. Und vielleicht sogar Zuhause sein. Und: Vermutlich bin ich auch wunderbar. Ähm, wahrscheinlich.

Auf der anderen Seite haben mich meine imaginären Freunde in meiner Vorstellung von Freunden verdorben, und ich werde mich eventuell nie damit abfinden, dass Kohlenstoff-Freunde nicht so wunderbar sind, wie meine ganz eigenen, ausgedachten. (Nein, sind sie nicht. Sie sind vielleicht greifbarer, kneifbarer, nützlicher und durch ihre imaginären Gegenstücke nicht zu ersetzen. Wunderbarer sind sie nicht. - Wer das meint, hat sich die falschen ausgedacht, oder sie nicht wunderbar genug ausgedacht.)

Mitreden.

In meinem Land

am 29.06.2009 aus hören Brummsumm. trinken Kaffee. wetter schwarz wie die … genau.

In meinem Land wären Feuchttücher auf Toiletten Vorschrift.

Es gingen nicht nur Kinder in die Schule. Und dort würden nicht nur Naturwissenschaften und Fakten gelehrt.

Es gäbe keine Ehe und kein Sorgerecht. Sondern Lebensgemeinschaft und Sorgeverpflichtung.

Graffiti wären nicht verboten. Die Straßen gehörten uns allen. Sie würden bunt verschmiert. Unsere Parks wären Lebensräume, die wir teilten.

In meinem Land gäbe es kinderfreundliche Wagen im öffentlichen Personennahverkehr. Und kinderunfreundliche, für uns kinderunfreundliche Menschen.

Religion, Raumforschung und Rennsport wären Hobbies.

In meinem Land hätten Medien Ethikkommissionen; Supermärkte und Restaurants veganes Essen. Auf öffentlichen Plätzen gäbe es freies WLAN. Information wäre jedem zugänglich, der Handel mit ihr strafbar.

In meinem Land wäre weder Wohlstand noch Wirtschaftswachstum Ziel. Statt Umsatz wollten unsere Unternehmen Erfolg.

Mein Land hätte ein Grundeinkommen. Kunst wäre frei, Arbeit freiwillig.

Wer hier nicht leben wollte, ginge fort.
Und wer hier leben wollte, wäre jederzeit willkommen.

In meinem Land könnte jeder glücklich werden.
Eigentlich genau wie hier.

Mitreden.

Unbeliebt

am 27.05.2009 aus hören Manson trinken Chardonnay wetter not applicable

Manchmal wäre ich gerne ein wenig wie Anna.
Im Grunde bin ich's, ein wenig.
Anna sagte mal: "Ich muss mehr transparente Tops anziehen. Dann starren die Leute auf meine Titten statt auf die Narben." Und zwinkerte. Wenn sie ihre Tage hatte, sah sie sich Bilder von Tierheimhunden im Internet an und heulte. Aber - worauf ich gerade 'rauswill, sie sagte einmal: "Mein Gott, manchmal bringe ich einfach nicht die Selbstbeherrschung auf mich wie ein gewöhnlicher Mensch und irgendwie _nett_ zu verhalten wenn es _einmal_ nötig wäre." Sie verdrehte die Augen.

Wenn's einmal drauf ankommt und ich nett sein oder was Nettes sagen sollte - und ich weiss das und ich weiss was und ich wäre theoretisch in der Lage dazu - dann regt sich in mir Widerstand.

Dagegen, immer so zu tun als ob. Als ob es mich kümmern würde, Kinderarbeit und Ausbeutung und Leid und anderer Menschen Probleme. Gegen die soziale Konvention dauernd so zu tun als hätte man Mitleid. Abstreiten zu müssen, wenn man keines hat. Die Erwartungen und das Floskelgewichse. Menschen zu sagen was sie hören wollen weil sie es hören wollen. Zugeben dürfen, dass einem das Leid der einen Lebewesen* scheissegal ist. Aber bloß nicht bei den anderen.

Und überhaupt: Als müsse man immer nett sein. Wo ich manchmal einfach nur scheisse und ehrlich sein möchte. Und in Kauf nehme andere zu verletzen. Ich fühl' mich besser wenn ich ein wenig scheisse und dafür ein wenig ehrlicher bin. Ein bißchen wie Anna.

*(Muh.)

Mitreden.

Pläne

am 28.04.2009 aus hören Gavin Friday. trinken Astra. wetter bleibt draussen.

Mir ist übel von Plänen und Ideen, den nicht-umgesetzten, ewig wiedergekauten und doch nicht-umgesetzten. Und von den Hoffnungen und Erwartungen die daran hängen, verpuppt und ungeschlüpft.

Enttäuschung, du arschpickliges Stinktier, niemand hat nach dir gerufen.

Ein neuer Plan also: Ich werde allem aus dem Weg gehen, das von Weitem auch nur riecht oder aussieht wie ein Plan, der etwas verspricht. Eigentlich gilt das für jede Art von Plan, dessen Ausführung länger als einhundertdreizehn Minuten in Anspruch nimmt.

Es kann sein, dass alles gut wird. Aber wenn, dann vermutlich nicht als Ergebnis irgendeines meiner Pläne. Meine Pläne sind scheiße. Auch wenn die Ideen gut sind.

P.S.: Ich bin nicht so betrunken wie ich es gerne wäre.
P.P.S.: Ich hab' Stinktiere lieb. Wirklich. Ist mir nur so rausgerutscht.

Mitreden.

Sammler

am 21.04.2009 aus hören Autobahnrauschen. trinken au ja. wetter duschter.

Wenn eine Szene aussieht wie eine Metapher. Zum Beispiel. Ein Mann geht vorbei, entgegen der Fahrtrichtung, vorbei am Koffer eines Reisenden der den Durchgang halb versperrt. Unterhalb des Halses ein spitzes Dreieck Brust samt Behaarung freigelegt. In seiner Stofftasche knacken eingesammelte PET-Flaschen. Und hinter ihm her zieht sein Geruch - der Geruch von einem, der morgens keine halbe Stunde in einem Badezimmer mit farblich aufeinander abgestimmten Handtüchern steht - und mit diesem Geruch auch die Spur der Gedanken der Fahrgäste die ihn vorbeigehen sehen und einen Augenblick lang darüber nachdenken warum sie nicht und dass sie zum Glück nicht und warum er wohl und was er sich wohl dabei denkt, dass und während er jetzt hier Pfandflaschen … und so.

Mitreden.

macht man so

am 18.03.2009 aus trinken Grüner Tee. wetter Ja, endlich mal wieder.

Macht man so. Da weisse Bescheid. Zum Beispiel im Zug. Die geheime Regel hier ist vermutlich, dass man so tut als ob niemand anders da wäre. Damit schafft man sich eine So-tun-als-ob-Privatsphäre. Die aber leider schon bei dem Gegenteil von Beinfreiheit endet.

An manchen Tagen finde ich das beinahe unheimlich. Auf jeden Fall aber ein klein wenig schizophren. Und das, obwohl ich der letzte Mensch bin der fremde Menschen sehen, geschweige denn mit denen zusammen eingesperrt werden möchte. Und das, obwohl ich auch gar keine Lust habe, auch mit denen noch Begrüßungsrituale zu veranstalten. Aber warum sind die Regeln sozialen Zusammenlebens derart inkonsistent?

Also kein wohlwollendes Begrüßungsgemurmel wie im Wartezimmer. Man muss die Menschen um sich herum ignorieren. Das ist gar nicht so leicht. Anstrengend, manchmal. Manches, was man sich woanders antrainiert hat, zum Beispiel "Gesundheit" zu sagen wenn jemand niest (ja, ich weiß, dass ist out - da der kranke Mensch eine Belästigung ist, hat er sich neuerdings zu entschuldigen; man wünscht ihm keine Besserung) macht man nicht. Vermutlich wäre es kein Fauxpas, "Gesundheit" zu sagen, aber tatsächlich habe ich es noch nie erlebt. Auf ein Niesen folgt für mich also immer eine gespannte Stille.

Man tut so, als würde man die anderen nicht wirklich wahrnehmen. Dabei kann man wunderbar beobachten, wie der Mann in Anzug auf der anderen Wagenseite sich in der Nase bohrt (Erleichterung, dass auch "normale" Menschen diesem Hobby fröhnen!). Und man freut sich, dass die Hübsche mit dem blonden Haar an der alles so perfekt gestylt ist, mit offenem Mund schläft. Und man kann ihre nackten Beine anstarren, wenn man mag, ohne dass sie's merkt. Und man erfährt über die Jugend von heute was man nie wissen wollte. Speziell über den Absturz der zugedrogten besten Freundin eines Mädels, das laut in sein Handy spricht. Und wenn sie ihrer Freundin da nun erzählt, was gestern Nacht alles war (denn die kann sich nicht mehr erinnern), dann hört vermutlich der ganze Wagen gebannt zu. Trotzdem ist das nicht unhöflich, denn erstens tut man ja so als würde man nicht hingucken und zuhören und zweitens kann man ja gar nicht anders. (Aber ich glaube auch das ist nicht auf andere soziale Situationen übertragbar. Das muss ich noch untersuchen.)

Es gibt etwa zweieinhalb Ausnahmen, in denen die zombiehafte Wir-ignorieren-einander-so-gut-es-geht-Laune plötzlich umschlägt. Das passiert einerseits bei kleineren Katastrophen und katastrophalen Verspätungen (so geschehen bei der letzten sogenannten "Sturm-Katastrophe": Menschen tauschten sich plötzlich lebhaft darüber aus, seit wann sie von wo nach wo mit welchen unterwegs waren; im ersten Zug, der nach dem Sturm Richtung D. fuhr, realisierte man plötzlich, dass man mit vielen Menschen unterwegs war; ich mochte es). Die andere Ausnahme, die ich öfter erlebe ist, dass Menschen, die sich äusserlich eindeutig als Anhänger einer beliebten Ballsportart zu erkennen geben, gerne nach den aktuellen Spiel-Ergebnissen gefragt werden. In solchen Momenten beneide ich die heimlich. (Vielleicht brauche ich einen "Frag mich doch mal, was im Internet so läuft"-Button.) (Vielleicht aber auch nicht.)

Seinen Höhepunkt findet das Theater in den Zügen die fast ausnahmslos von Pendlern benutzt werden, die auf dem Heimweg sind. Irgendwann zwischen fünf und acht Uhr. Das ist meistens ein Haufen Menschen, der aussieht als ob er nur noch nach Hause möchte und mit letzter Kraft und versteinerter Miene tapfer die Unbilden des Lebens im allgemeinen und der Deutschen Bahn im Besonderen erträgt. Das Schweigen wirkt dann irgendwie verordnet (man sucht mit den Augen schon heimlich nach der strengen Bibliothekarin, die sprechen, essen und trinken verbietet) und täuscht darüber hinweg, dass man sich in einer alten S-Bahn auf vielen Streckenabschnitten der Lautstärke wegen sowieso nur mit Mühe unterhalten kann. Meine Lieblingsszene kommt aber noch: Manchmal wagen es mutige, musizierende Helden so eine S-Bahn mit Akkordeon und Co. zu entern. Ich mag Live-Musik in Zügen. Und Akkordeon sowieso. Viele andere nicht. Deren angestrengtes Bemühen von ihrer Umwelt nichts wahrzunehmen, wird dann auf eine harte Probe gestellt.
Das finde ich lustig.

P.S.: Suche Co-Autoren für die Man-Pages zum real life.

Mitreden.

Paul der Baum

am 07.03.2009 aus hören PJ Harvey trinken Weißwein wetter nil

Eigentlich wollte ich eine Lampe kaufen. Zur Stimmungsaufhellung. Damit hier drin Sonne wird. Aber ich habe keine Lampe gefunden. Gefunden habe ich einen Baum. Zur Stimmungsaufhellung.

Sein Name ist Paul. Er ist schön. Ich hab' ihn lieb. Bin glücklich, dass er da ist.

Mitreden.

Urlaub

am 09.01.2009 aus hören Büroarbeitsgeräusche trinken Grünen Tee wetter Schneeweiß

zum Lieblingsmann. in die schöne Stadt. mit den schönen Häusern. wo Sonne scheint.
zwischen weißen Laken, morgens, Haut aneinander und gegeneinander. schmecken, riechen, lecken. beschlagenes Fenster zum Innenhof.
Espresso. Bademantel wartet.

draussen: zu große Handschuhe - seine - halten Hände warm.

abends Wein. warm unter der Zunge kleine Tomaten, die weich Süße ergießen.

Weit weg von müssen und wollen und sollen.
kleine Welt teilen.
(er kümmert sich. ich kümmere ihn! und Kümmel.)
Stille im Kopf.
Urlaub.

Mitreden.

Packungsbeilage

am 09.12.2008 aus hören Fernsehen aus dem Mitbewohnerzimmer trinken Grünen Tee wetter scheisskalt

Lesen Sie die gesamte Packungsbeilage sorgfältig durch. Sie enthält wichtige Informationen für Sie.

1. Was ist das Zebramädchen Anti-Winterdepressionspaket und wie wird es angewendet?
Das Zebramädchen Anti-Winterdepressionspaket ist eine Zusammenstellung wohltuender, stimmungsaufhellender Wirkstoffe. Es wird angewendet bei saisonal bedingten Stimmungstiefs und bei akuter Zebrastreifenschwärzung.

2. Welche Wirkstoffe enthält das Zebramädchen Anti-Winterdepressionspaket?
  • einen Lieblingsmann™.
  • zwei Mitbewohner.
  • zwei Murmeltiere; ein großes und ein kleines.
  • eine liebe Freundin.
  • einen süßen Spatz.
  • eine Sony α 300.
  • Post.
  • Wein.


3. Welche Nebenwirkungen sind möglich?
Die zahlreichen Nebenwirkungen umfassen u.a. Liebeskummer, Hysterie, leichte Alkoholvergiftungen, aber auch Freudensschreie und spontane alberne Liebesbekundungen an Leben und Lebende.
Sollten Sie eine dieser oder andere Nebenwirkungen beobachten, seien Sie unbesorgt: Alles wird gut.

Mitreden.

Zebramädchens Studienbuch

am 04.12.2008 aus hören Sex Gang Children trinken Rotwein wetter dunkel und kalt

[1] Angst kümmert Verhältnismäßigkeit nicht.
[2] Geld zu haben stellt einen vor die lästige Entscheidung wofür man es ausgibt. Und wofür nicht.
[3] Draussen ist kalt.
[4] Psychisches und physisches Befinden hängen gerne und häufig, aber nicht zwingend zusammen.
[5] Schlafmodus des Mac ändern: sudo pmset hibernatemode x
[6] Aufschieben macht unglücklich.


zu [2]: … und nimmt einen all die Ausreden weg. Wenn ich nun Geld habe, warum habe ich immer noch keine Schuhe?

zu [5] : ersetze "x" durch wahlweise
0 = Suspend-To-RAM
1 = Suspend-To-Disk
3 = Suspend-To-RAM and Suspend-To-Disk

P.S.: Nicht bloggen ist auch keine Lösung.

Mitreden.

Fehlen

am 17.10.2008 aus hören Nachbarn durch die Wand trinken Jasmintee wetter dunkelblau

Manchmal nach langer Zeit in der es mir nicht bewusst war, fällt es
mir wieder ein. Oder besser: Ich spüre es. Dass er nicht mehr da ist.
Fehlt.

Mir fällt ein, wie er sich immer Zebramädchenkopfproblemchen angehört
hat. Mich betreut hat. Täglich verbales Kopftätscheln. Hat all die
Fragen beantwortet und geholfen. War da, wenn ich ihn rief. Und fast
ohne Seufzen ist er mit mir überall hingegangen, wo ich mich alleine
nicht hingetraut habe. Und alles gegen Zebramädchentränen! Für Zebramädchenlächeln. Oder doch nur um sich Zebramädchenerwartungen zu fügen? Oder warum eigentlich? Ach, ganz egal.

Jedenfalls bemerke ich dann, dass ich gar nicht ihn vermisse (doch ja, schon - aber nicht primär), nicht den Menschen, sondern seine Dienstleistung als Betreuer. Ich Böses.
Und dann weiss ich, dass es richtig war. Und richtig ist, dass er jetzt nicht mehr in der Art für mich da ist.

Wer kann mich retten? Nur ich.
Wer kann mich beschützen? Nur ich.
Wer kann mich glücklich machen? Nur ich.
Wer also fehlt wenn jemand fehlt? Ich wahrscheinlich.

Mitreden.

Heimat

am 12.10.2008 aus hören vorbeifahrende S6 trinken Grünen Tee wetter Sonntagssonne

Gestern bin ich an der Ruhr entlang spazieren gegangen. Sonnenschein (golden), dann Dämmerung (blau-rosa bis orange-leuchtend), darauf Mondschein (milchweiß), im Wasser gespiegelt. Dann Nebel, dahinter noch Leuchten, davor die schwarzen Umrisse der Bäume. Und der Duft. - Magisch war's.

Ich spazierte so durch diese Welt, die selbst ich mir nicht hätte ausdenken können, die - ich gebe es zu - besser war als jede Welt, die ich mir erschaffen kann. Und ich beschloss, dass ich hierbleiben werde, weil ich hierbleiben möchte. Dass ich hier sein möchte und diese Welt als meine Welt annehmen. Dass die Welten und Geschichten in meinem Kopf Bereicherung und Zufluchtsstätte sein können, aber nie Heimat.

Das weiss ich eigentlich schon lange. Und wirklich weggehen lag nie in meiner Macht. Aber gewartet habe ich, darauf, dass meine imaginären Freunde mich abholen würden, eines Tages, einige Jahre lang. Das Warten ist lange vorbei, auch das Hoffen. Aber ganz verziehen und ganz entschieden hatte ich mich bis gestern nicht. Jetzt habe ich. - Heißt das Zebramädchen willkommen in eurer Welt. =)

P.S.: Ich mag meine Stadt. Mit allem drum rum. Ich bin glücklich, dass ich hierhergezogen bin.

Mitreden.

bigger than life

am 08.10.2008 aus hören Mitbewohnersummen trinken "Momente des Glücks" wetter regnerisch

Manche Geschichten sind so groß, dass ich mich wundere, dass Aufwachen aus ihnen möglich ist. Ich frage mich, wie die Menschen mit denen ich sie teilen durfte weiterleben, nachdem ich aufgehört habe, ihre Welt zu erdenken. Es macht ein klein wenig traurig.

P.S.: Danke.

Mitreden.

Tapfer

am 30.09.2008 aus hören Waschmaschine trinken Grünen Tee wetter Heizunganhabwetter

[Gerade eine Notiz von Oktober 2007 entdeckt:]
Ich beobachte gerade eine asiatisch aussehende Frau, die in den Zug einsteigt, telefonierend, mit einem Fahrrad, Einkaufstüte am Lenker, und dann aussteigt, immer noch telefonierend, tapfer einarmig die Tür öffnet und das Fahrrad hinaushievt. Ich möchte auch so werden, tapfere kleine Frau.

Mitreden.

Anders und immer mehr

am 29.09.2008 aus hören einsamer Hund der Nachbarn wetter herbstwerdend

Frühstücken in einem Café. Schwarzweiss-Film entwickeln. Hängeschaukelschaukeln. In die Oper gehen. Ruhig atmen. Feuchtes Hundenasenstubsen. Tee, Whiskey und ein netter Mensch. Spätsommerruhrspaziergang. Fotografieren. Sonntag abends zwei Züge verpassen und eine inspirierende Bekanntschaft machen.

Wo bin ich hier und was habt ihr mit der Welt von früher gemacht?

P.S.: Manchmal fürchte ich, meine Blogeinträge werden uninteressant wenn ich nicht unglücklich genug bin. Aber keine Angst. So wichtig ist das Bloggen nicht. Und einen Fingerhut voll Unglücklichsein hab' ich noch über. :)

Mitreden.

Die andere Welt

am 10.08.2008 aus hören David Bowie wetter rotstichig

Ich hab gerade das Gefühl ich spiele ein Spiel mit dem Universum. Das Universum spielt mir Eintrittskarten zu, für die andere Welt. (Oder ist es nicht das Universum sondern sind es einfach ein paar liebe Menschen?) Als hätte ich die bestellt. Naja, gewünscht habe ich sie mir, ja. Und vielleicht bin ich eher bereit sie anzunehmen als ich das vorher war.

Ich war "auffer Kirmes". Bunte Lichter, gebrannte Mandeln, Monsterslush, Karussellfahren. Wenn ich gewusst hätte, dass das so glücklich macht ... ja. Warum wusste ich das eigentlich nicht? Es war schön. Ich möchte nochmal!

Ich war am Meer. Nordsee. Strand. Sand und Salzwasser an den nackten Füßen. Nächtlicher Deichspaziergang. Das Licht der Leuchttürme sehen. Und wieder weiss ich nicht was mich mehr erstaunt, dass das so wunderschön ist und ich es erleben kann, oder dass ich das bisher nicht wusste und bisher nicht erlebt hatte.

Kinners, vierundzwanzig Jahre alt musste ich dafür werden ...

Mitreden.

Zwei Welten

am 27.07.2008 aus hören ja. trinken "Frauen"tee. wetter Ventilator erforderlich.

Mir ist was aufgefallen.

Immer erzähle ich, dass wir die Welt in der wir leben in unserem Kopf zusammenbasteln. Und das stimmt. Aber erlebt, dass es tatsächlich so ist, habe ich erst in den letzten Wochen.

Das ist nämlich so: Ich habe viele Menschen getroffen. Und ein oder zwei konnte ich besuchen. In ihrer Welt. Oder zumindest bekam ich mit, wie ihre Welt so ist. Und wo die Unterschiede sind zu meiner Welt.

Wovon ich eigentlich rede? Achja. Also, erst einmal sind es Möglichkeiten. Auch relativ banale. Genutzte Möglichkeiten. Ein Kühlschrank voller leckerer Sachen, zum Beispiel. Dass man um die Ecke geht, leckere Pommes essen. Oder zum Kiosk, ein Eis kaufen. Dass man das kann und es auch tut. Und dann sind da noch andere Sachen. Menschen, die man gerne hat und die vorbeikommen. Lieblingsorte, wo man hingehen kann - eine Wiese zum Draufliegen. Sowas. Und dann vielleicht noch, dass man draussen in der Straßenbahn jemanden trifft, den man kennt und mit dem man redet. Das ist mir alles so ... fremd, ja. (Beschämend, das zuzugeben.)

Gerade die ersten Dinge sind Kleinigkeiten, eigentlich. Aber eine Welt in der sie fehlen ist, verglichen mit der Welt in der es sie gibt, arm. Ein bißchen bin ich bestürzt, beinahe, dass ich vorher nicht wusste, wie toll es ist eine riesige Tüte Popcorn im Kino zu kaufen. Oder barfuss ein Wassereis holen gehen. Oder ein Glas Bruschetta im Kühlschrank zu haben. So ganz kann ich es immer noch nicht glauben. Oder will nicht einsehen, dass sowas mich glücklich macht. Dass sowas wichtig ist.

Und an anderen Stellen fällt mir auf, wie es mir nicht so gut geht, wie es mir gehen könnte, weil mich meine Angst davon abhält für mich zu sorgen. Im banalsten Fall, mir etwas zu essen zu besorgen. Zum Beispiel.

Und: Seit ich darauf achte höre ich es immer wieder. Menschen, die Dinge genießen zum Beispiel. Die drei Frauen die von der Arbeit nach Hause fuhren im Zug. Und die eine meinte: " ... dann setz ich mich gemütlich hin und trink 'ne lecker Tasse Kaffee." Ihr Ton und ihr Gesicht machten deutlich, dass das etwas Wunderbares war, worauf sie sich freute. Und noch besser, die anderen beiden nickten und freuten sich mit. Nur ich verstand das nicht so ganz. Ich wollte auch! Das Konsumieren eines Heissgetränks so zelebrieren, dass es etwas war worauf man sich vorfreut. Ich dachte, das ist nur in der Werbung so.

Ich habe auch gemerkt, wie sehr mich meine Angst einschränkt. Wieviel ich mir wegnehme, in dem ich (weil ich Geld nicht unnötig ausgeben möchte und es vermeide, das Haus zu verlassen) bis heute noch nie bei diesem Kiosk gewesen bin. (Dabei kostet das Wassereis nur dreissig Cent.)

All diese Gelegenheiten etwas Schönes zu erleben ... haben gefehlt. Während anderer Menschen Welt diese dutzendfach bereithält. Eigentlich furchtbar einfach. (Vielleicht auch das mit den netten Menschen, denen man in der Bahn begegnet, und die machen, dass das Draussen kein schrecklicher, feindseliger Ort ist - sondern ein Ort, an dem man nette Menschen treffen kann. Darüber aber ein anderes Mal mehr.)

Ein bißchen ist es, als hätte ich nur die Trial-Version dieses Spiels, in der an allen Ecken und Enden eingeschränkt ist was ich tun und wo ich hingehen kann. Aber das hört jetzt auf.

Mitreden.

Vier Wände

am 09.07.2008 aus hören still trinken Jasmintee wetter schwarz wie die ... genau

Der Straßenname war's. Deswegen habe ich angerufen. Obwohl keine Bilder dabei waren. Und auch sonst nichts aussagekräftiges. Na gut, "Dachgeschoss" stand da, und "direkt am S-Bahnhof" in meinem bevorzugten Viertel. Und ich liebe Dachgeschoss. Bahnfahren auch. Also habe ich angerufen. Ich saß im Sonnenschein an der Straßenbahnhaltestelle und dachte mir, so ungefähr beginnt vielleicht mein neues Leben. Und irgendwie lag ich damit vielleicht nicht so falsch. Aber das bleibt noch zu zeigen.

Ich fuhr hin. Wieder schien die Sonne. Ich guckte mir die Menschen in der Straßenbahn genau an. Ich wollte es ganz genau wissen. Dass es nicht Duisburg ist. Nicht wie Duisburg ist. Und tatsächlich. Die Menschen in der Straßenbahn waren in Ordnung. Die auf der Straße auch. Das war nicht Duisburg. Das war wunderbar.

Skeptisch wie ich selbst meiner Begeisterung gegenüber bin unterzog ich die umliegenden Straßen einer kurzen Betrachtung. Tatsächlich. Niemand guckte mich schief an und das saubere Trottoir schien die Altpapierreste von letzter Woche nicht zu vermissen.

Und dann die Wohnung und der Mensch, den ich im Folgenden "der Mitbewohner" nennen möchte. Sich gemütlich hinsetzen (ja, wirklich gemütlich - nicht auf IKEA-Plastik-Klappstühlen), einen Kaffee trinken. Reden, sich über die Sonne freuen.
Die Wohnung: Ja, das war meins. So wollte ich wohnen. Eigentlich war es ein wenig so, als wohnte ich da schon und wüsste es nur noch nicht. Ich bemühte mich sogar, meine Begeisterung zurückzuhalten. Ich traute mir nicht ganz.

Das Gespräch bei Kaffee und Keksen brachte mich ganz durcheinander. Menschen waren anstrengend. Ich war ein verschüchtertes, asoziales Ding. Ich hatte Probleme mit Menschen. Oder doch nicht? Wohl doch nicht. Nicht immer. Ich konnte mich mit einer wildfremden Person hinsetzen und mich dabei wohlfühlen. Zumindest an diesem Tag, mit dieser Person. Das war wunderbar.

Ich verließ den Tatort mit einem Kopf voller Begeisterung und Unglauben. Das war einfach zu gut. Zu gut. Es war als würde mir schwindlig. Wahrscheinlich weniger von der Begegnung mit dieser WG als vielmehr von der Erkenntnis, dass ich die vergangenen zwei Jahre in einer Stadt, in einer Straße, in einer Wohnung, zwischen Möbeln und in einer Situation verbracht hatte, die ich nicht mochte. Die nicht zu mir gehörten, nicht passten. Nicht meins. Und immer wieder hatte ich versucht dieses Unbehagen in Worte zu fassen und anderen zu erklären, aber die hatten mich nicht verstanden. "Die Wohnung ist doch gar nicht so schlimm." Doch, ist sie.

Wenn mir abends kalt ist im Bauch - und so selten ist das nicht, wärme ich mich mit Gedanken an mein neues Zimmer und mein neues Leben. Danke, Universum.

Mitreden.

Erleben

am 02.07.2008 aus hören Regentropfen trinken Grüner Tee

Es gibt soviel das ich jetzt entdecke von dem ich über ein Jahr lang, viel zu lang, vergessen hatte, dass es existiert. Vielleicht auch ignoriert.

Jeder Mensch der mir gerade dabei hilft es wiederzuentdecken fühle sich an dieser Stelle bitte gedrückt.

Picknick am Rhein im Sonnenschein.
Ein kuscheliges Bett in dem man nicht allein ist.
Eine halbe Flasche Wein und eine Pizza.
Inspiration und Input.
Selbstgebackene Kekse.
Nachts Radio hören bis man dabei einschläft.
Überraschende Regengüsse.
Fotografieren weil es Spaß macht.
Eine Instant-Noodle-Soup angeboten bekommen wenn man richtig hungrig ist.
Frisches Baguette.
In Plateaustiefeln durch die Wohnung stolzieren.
Nachts mit der S-Bahn heimfahren und die Regentropfen an der Scheibe zittern sehen.
Menschen treffen.

Mitreden.

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